Donnerstag, 30. Juli 2020

Geplaudert mit Urs Blindenbacher - Das Interview aus dem August - Veranstaltungskalender

… Urs Blindenbacher (66) leitet seit 45 Jahren die Konzertreihe Offbeat, und feiert mit dem Jazzfestival Basel dieses Jahr
das dreissigjährige Jubiläum. Als leidenschaftlicher Musikfan mit grossem Fachwissen ist Blindenbacher auch in schwierigen Zeiten wie diesen Enthusiast und treibende Kraft, die nicht zu stoppen zu sein scheint.

Sie sind Veranstalter, vor allem aber auch Jazzfan mit Leib und Seele. Was spornt Sie nach so vielen Jahren des Veranstalten noch an, worauf würden Sie gern verzichten, worauf niemals?
Es gibt erfrischende neue Trends in der heutigen Jazz-, Worldmusic- und Funk-Szene. Es ist wieder viel in Bewegung, es entstehen neue Zentren der Avantgarde. Die Überraschungsmomente, Improvisation, Expressivität und Glaubwürdigkeit dieser Musik ist Ansporn für mich. Verzichten würde ich liebend gern auf alle Einschränkungen und Hindernisse durch Corona!

30 Jahre Jazzfestival Basel – was waren für Sie die Highlights, was die Tiefpunkte?
Es gab so viele Highlights: das letzte Astor Piazzolla Konzert oder das letzte Chet Baker Konzert in Basel. Das erste Konzert des Buena Vista Social Club in der Schweiz, Keith Jarrett solo, Sonny Rollins, Bobby McFerrin, Cesaria Evora, Paco De Lucia oder die Wayne Shorter Konzerte, Und dann natürlich viele Schweizer Highlights, allen voran die tollen Konzerte mit George Gruntz!

Sie holen grosse Künstler in die vergleichsweise kleine Dorfkirche in Riehen. Was macht dieser Ort für Sie aus?
Die Dorfkirche hat eine tolle Akustik und ein ganz spezielles Ambiente, das auf Musiker*innen und das Publikum gleichermassen wirkt. Man fühlt sich geborgen, ganz anders als z.B. im grossen Münster. «Jazz in church» ist in den letzten Jahren ein Erfolgsmodell geworden – auch in der Martinskirche.

Das Musikbusiness hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Wie sehen Sie die Zukunft der Livemusik im Jazzbereich?
Im Moment ist es wirklich auf vielen Ebenen schwierig. Ich hoffe, es normalisiert sich wieder, denn so ist es praktisch unmöglich, internationale Spitzenacts in die Schweiz zu holen. Die grossen Tourneen sind bis im Winter gestrichen und die Planungsunsicherheit bleibt bestehen. Trotzdem glaube ich, dass Livemusik immer einen grossen Stellenwert haben wird, weil die Leute das Momentum schätzen. Es passiert alles nur einmal, die Live-Magie gibt es im Stream oder Film nicht!

Das Konzertbusiness birgt viele Stolperfallen. Die Corona-Pandemie aber ist zweifelsohne eine Kategorie für sich. Was nehmen Sie aus dieser in jeder Hinsicht herausfordernden Zeit mit, was war / ist für Sie das Schlimmste?
Die Planungsunsicherheit, die lauernde Gefahr eines Konkurses, geschlossene Säle, Menschen, die sich nicht mehr raustrauen, und natürlich eine übergrosse Administration und Bürokratie, sind für mich lähmend! Schlimm finde ich auch, dass Kultur in der Schweiz leider nicht als systemrelevant einge-stuft wird, vor allem die freie Kulturszene.

Wie lädt Urs Blindenbacher seine Batterien auf, wo holen Sie sich die Kraft für die nächste Runde?
Indem ich die Konzerte geniesse, danach Revue passieren lasse, zur Ruhe komme, mich hintersinne und in die Selbstreflexion gehe. Ausserdem reise ich gerne und viel und lasse mich von anderen Städten und Festivals inspirieren. Ich höre neue Alben und entdecke neue Strömungen und versuche neue Konzepte zu entwickeln. Für mich gilt im positiven Sinne fast immer: Nach dem Festival ist vor dem Festival!

Wir wünschen Ihnen inspirierende Kulturerlebnisse in Riehen.

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