Donnerstag, 1. Oktober 2020

Geplaudert mit Sarah Hänggi - Das Interview aus dem September / Oktober - Veranstaltungskalender

… Sarah Hänggi (30) studierte Chorleitung und Schulmusik an der Hochschule für Musik in Basel und leitet seit über 10 Jahren
diverse Chöre (u.a. Reveille-Chor Basler Liedertafel, Basler Beizenchor, Interkantonaler Männerchor). Für ihre Arbeit als Dirigentin erhielt sie 2018 den Kulturförderpreis des Kantons Solothurn. Beim Chorfestival «enchanté» in Riehen hat sie die künstlerische Leitung inne.

Bereits während Ihrem Studium leiteten Sie verschiedene Chöre. War Dirigieren Ihr Jugendtraum?
Dirigieren war nicht mein Ziel. Ich habe erst sehr spät angefangen, Musik zu machen. Nach dem Gymnasium war für mich klar, dass ich meiner Leidenschaft fürs Chorsingen professionell nachgehen wollte. Ich sang gerne im Chor, hatte aber wenig Ahnung, was mich im Studium alles erwarten würde. Es brauchte entsprechend viel Zeit, bis ich mich in der Position der Dirigentin wirklich wohl fühlen konnte.

Sind Sie selbst auch als Sängerin tätig?
Ja, ich habe sehr viel gesungen. Speziell während der Studienzeit habe ich bei sovielen Projekten mitgemacht, wie ich konnte. Das machte mir viel Spass, und ich konnte mich durch das Beobachten verschiedener Dirigent*innen weiterbilden. Heute leite ich so viele Ensembles, dass ich kaum noch dazu komme, selber in einem zu singen.

Sie sind auf spätromantische A-cappella-Musik spezialisiert, leihen ihren Taktstab aber auch der Volksmusik und dem Pop.
Was liegt Ihnen stilistisch am meisten am Herzen?
Da kann und muss ich mich in meinem Schaffen nicht festlegen. Es hängt ganz stark mit den Sänger*innen und dem Moment zusammen. Wenn es passt und mit den richtigen Leuten zur richtigen Zeit die richtige Musik erklingt, ist das grossartig.

Corona hat auch die Kultur- und Musikszene heftig getroffen. Wie gehen Sie als Musikerin mit den Herausforderungen um, was hat sich verändert, was vermissen Sie am meisten, was ist neu?

Für die Chorszene ist die Situation extrem hart, da das gemeinsame Singen ein grosses Ansteckungs-Risiko birgt – leider, denn genau in dieser seltsamen Zeit würde gemeinsames Singen grosse Kraft geben. Im letzten Halbjahr sind sämtliche Konzerte ausgefallen. Ich war aber auch froh, mal ein bisschen Luft holen zu können. Schön fand ich, zu sehen, wie spontan und kreativ unsere Gesellschaft und die Kulturszene werden konnten. Ich hoffe sehr, dass diese Spontaneität weiterhin be-
stehen bleibt. Jetzt freue ich mich auf die ersten Chorproben, die wieder starten. Viel weiter kann ich mir noch keine Gedanken machen.

Seit rund einem Jahr arbeiten Sie mit dem Kulturbüro Riehen auf das Chorfestival «enchanté» hin. Was ist das Ziel des Festivals und ist es trotz Corona möglich, dieses zu erreichen?

Eigentlich reicht die Planung dieses Festivals weiter als ein Jahr zurück. Wir hatten die Idee, in Riehen ein Festival zu ver- anstalten, das die Stimme von so vielen verschiedenen Blickwinkeln erforscht wie möglich. Es sollte eine möglichst grosse
Durchmischung von Stilen, Techniken, Professionen, Generationen und Niveaus entstehen. Diese Grundidee wurde seit dem letzten Jahr mit dem Kulturbüro Riehen konkretisiert. Aufgrund von Corona mussten wir den Umfang des Festivals stetig anpassen, aber der Grundgedanke ist immer noch klar erkennbar: Die Workshops und Konzerte zeigen eine bunte Vielfalt an Stilen und Gesangstechniken, so dass für jede und jeden etwas dabei ist.

Worauf freuen Sie sich bei «enchanté» am meisten?
Ich persönlich freue mich am meisten darauf, zu sehen, wie die Workshops ablaufen und wie die Teilnehmer*innen darauf reagieren. Wenn ich sehe, dass alle Spass haben und tolle Musik erklingt, dann weiss ich, dass ich meine Aufgabe erfüllt habe. Ein bisschen nervös bin ich natürlich auch, aber die Vorfreude überwiegt. Speziell schön finde ich es, Merel Martens mit ihrer A-cappella-Gruppe «Maze» bei uns begrüssen zu dürfen.

Wir wünschen Ihnen inspirierende Kulturerlebnisse in Riehen.

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